Potential | Mit Anlauf über Hürden

Christian Mühlhausen

Es war immer sein großer Traum: eine eigene Eisdiele. Schon als Kind wollte Christian Mühlhausen (38 Jahre) mit der kalten Kost sein Geld verdienen. Mit 15 Jahren arbeitete er als Eisverkäufer und wollte ursprünglich direkt nach der Schule mit seinem eigenen Geschäft starten. Doch seine Eltern machten ihm einen Strich durch die Rechnung und bestanden auf eine Ausbildung. Mühlhausen studierte sieben Jahre BWL; die Grundlage für die Selbstständigkeit war geschaffen. Dem EisDealer stand nichts mehr im Weg.

Erfüllte Wünsche und geplatzte Träume

Die Ludwig-Wucherer-Straße war dem gebürtigen Ostfriesen nicht neu. Während seines Studiums wohnte er dort mit Freunden. Als Standort für eine Eisdiele hielten diese die Straße aber für ungeeignet. Zu wenig Laufkunden, zu viel Verkehr, einfach zu ungemütlich. Christian Mühlhausen sollte ihnen mit seinem EisDealer aber das Gegenteil beweisen. Im Jahr 2011 ging es dann los. Inzwischen ist sein Laden der Magnet der LuWu.

Nicht ganz so erfolgreich lief es direkt nebenan in der Mangelwirtschaft. Dort rumpelten nebeneinander Kaffee- und Waschmaschinen. Wechselnde Besitzer und ausbleibende Kundschaft sorgten allerdings nach knapp drei Jahren für den Niedergang des Geschäfts. Das Ende des Konzepts stellte dann schließlich die Mietvertragsauflösung im Herbst 2015 dar. Auch andere Geschäfte können sich in der Straße nicht auf Dauer halten. Mühlhausen sieht hier verschiedene Gründe und Verbesserungsmöglichkeiten.

Grenzen der Entfaltung

Ein wichtiger Punkt, der nicht nur vorhandene Läden in der Straße beeinträchtigt, sondern auch neue Ideen behindern kann, sind die steigenden Mieten in der LuWu. Die Sanierung der Straße und die damit verbundene gesteigerte Attraktivität haben hierbei nicht unbedingt dazu beigetragen, dass die Preise fallen. Viele Läden weisen außerdem eine große Fläche auf. Zu immens und damit zu teuer für manch gewagtes Konzept.

Ein Problem, dem sich auch Christian Mühlhausen begegnet sieht, sind die schmalen Fußwege. Vor kaum einem Geschäft in der LuWu stehen Sitzmöglichkeiten. Der Fußgängerverkehr hätte sonst keinen Platz mehr – vor allem für Cafés ist dieser Umstand ärgerlich. Unattraktiv zum Sitzen sind auch die mit Schotter überzogenen ehemaligen Grünflächen. „Hier könnte man sonst Blumen pflanzen“, konstatiert der Eisverkäufer. Auch eine Verminderung der Geschwindigkeitsgrenze für Autos in der Straße könnte sich positiv auswirken, da eine verkehrsberuhigte Zone eher zum Bummeln und Schlendern einlädt als eine laute Durchfahrtsstraße. „Manchmal kommen die Autos vom Steintor schon ziemlich schnell heruntergefahren. Es wäre deshalb vielleicht gut, wenn der Verkehr auf 30 km/h beschränkt wäre.“

Chancen für die Zukunft

Leerstehendes Geschäft

Auch wenn die meisten Geschäfte in der LuWu vermietet sind, stehen einige der Läden wie der an der Ecke zum Mühlweg noch leer

Die größte Aufgabe, der sich die Ludwig-Wucherer-Straße aber in Zukunft stellen muss, ist, einen Leerstand der Ladeneinheiten zu verhindern. „Es ist sehr schwierig, die Kaufkraft einzuschätzen und dann mit einem Laden zu punkten in der Straße.“ Dies ist aber notwendig, um den Puls der LuWu weiter am Schlagen zu halten. „Ich würde sagen, dass es noch viele kreative Leute braucht, um die ganzen Läden hier voll zu kriegen mit guten Ideen“, betont der 38-jährige. Dafür wäre auch eine Vernetzung der vorhandenen Geschäfte sinnvoll. Um gemeinsam Konzepte für die Zukunft zu entwickeln. Um die Potentiale der Straße voll ausschöpfen zu können. Schließlich stellt Christian Mühlhausen fest: „Die LuWu ist eine Straße, die noch am Anfang ihrer Entwicklung steht.“