Kreativität | Ein Jahrzehnt der Hingabe

Grit Weigmann

Es ist zehn Uhr als Grit Weigmann (45 Jahre) ihr Geschäft in der Ludwig-Wucherer-Straße aufschließt. Die ersten Kunden stehen schon vor der Tür. Kein seltenes Bild, welches sich im Patch & Work zeigt. Seit nunmehr zehn Jahren bietet Weigmann hier Stoffe und Zubehör zum Nähen an. In einer Phase beruflicher Neuausrichtung entschied sie sich dazu, den Laden in der LuWu zu eröffnen. „Es gab so etwas noch nicht in Halle. Die Ludwig-Wucherer-Straße deshalb, weil sie zum einen in der Nähe meiner Wohnung liegt und zum anderen, weil die Straße so viel bietet. Diese großstädtische Atmosphäre finde ich hier besonders schön“, erzählt die Inhaberin.

Ihr Laden ist ein Ruhepol im geschäftigen Treiben der Straße. Fällt nach dem Eintreten die Tür zu, ist der Lärm verklungen. Große Regale mit unzähligen Stoffbahnen stehen neben alten Nähmaschinen und allerlei Zubehör. Wohin das Auge blickt, sieht es Farbe. Die Leidenschaft fürs Nähen strömt aus den urigen Schränken und Kisten voller Garne. Hier und da lädt ein Stuhl oder Sessel zum Sitzen ein. Beinahe so, als könnte man gleich hier und jetzt damit anfangen, seine Ideen umzusetzen.

Grit Weigmann über die Besonderheit von Patch & Work

Raum für Inspiration

Dass das Geschäft so viel Platz für Projekte bietet, war nicht immer so. Zur Gründung im Jahr 2005 war Patch & Work noch in einem anderen Laden auf der gegenüberliegenden Straßenseite beheimatet. Als der Kundenstamm wuchs, zog die Kreativfabrik zum jetzigen Standort Höhe Lessingstraße um. Hier ist nun auch genug Fläche für den ein oder anderen Kinderwagen und alle können ihre eigene Ecke zum Stöbern finden. Denn auch Atmosphäre kann Qualität transportieren. „Die Kunden haben einen besonderen Anspruch an die Stoffe. Wir sind inzwischen dafür bekannt, hochwertige Produkte anzubieten“, berichtet Weigmann.

Wer noch keine Erfahrungen im Nähen hat, kann einen von zahlreichen Kursen besuchen, die im Patch & Work angeboten werden; vom Nähkurs für Anfänger bis zur Herstellung von Kleidungsstücken oder Taschen. Die Hilfe der Mitarbeiter ist in jedem Fall garantiert. „Die ausgefallenste Idee, bei der ich mithelfen durfte, war die Umsetzung der sieben Totsünden für eine Diplomarbeit an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle.“

Straße der Ideen

In der Ludwig-Wucherer-Straße kann man aber nicht nur beim Nähen seine Ideen umsetzen. Die LuWu ist eine regelrechte Kreativmeile. „Seien es Stoffe, Wolle oder die Tattoo-Studios. Es gibt Gewürze, Teeangebote oder den EisDealer. Da haben sich einfach ganz viele angesammelt.“ Was Grit Weigmann in der Straße aber noch vermisst, wäre eine Änderungsschneiderei. Dies zeigt sich auch in zahlreichen Anfragen von Kunden.

Platz dafür ist in der Straße ausreichend vorhanden, denn nicht alle Ladeneinheiten in den Häusern sind belegt. „Es wäre von Vorteil, wenn die Geschäfte vermietet werden würden, weil dies dann auch noch mehr Leute anzieht und das ist für jeden gut. Weil die Kunden gezielt in bestimmte Läden gehen und zufällig andere entdecken“, fasst die Inhaberin die Situation in der LuWu zusammen. Eine Symbiose zwischen den Läden gibt es aber jetzt schon: „Wir arbeiten in der Straße zusammen. Es entstehen Beziehungen zwischen den Geschäften. Man schickt die Kunden auch in andere Läden, wenn sie etwas suchen, was es bei uns nicht gibt.“