Gefühl | Die Weite Budapests

Ingrid Brück

Die Ludwig-Wucherer-Straße ist nicht nur eine Wohn- und Geschäftsstraße, sondern verbindet für viele Hallenser das Steintor mit dem Reileck. Auch in den wenigen Momenten des schnellen Durchfahrens kann man die Atmosphäre der Allee spüren. Ingrid Brück (64 Jahre) wohnt zwar nicht in der LuWu, fühlt sich dort aber trotzdem wohl. „Für mich persönlich ist das Besondere an der Straße, dass sie bei mir Glücksgefühle auslöst. Ich frage mich natürlich, wie sie das macht“, überlegt Brück. Vielleicht ist es die Weite, die die Ludwig-Wucherer-Straße bietet. Bewegt man sich vom Reileck zum Steintor, ist das Ende durch den Anstieg kaum zu erahnen. Der hügelige Verlauf sorgt ebenfalls für ein spezielles Gefühl. „Wenn man mit dem Auto hier lang fährt, ist es ein bisschen wie Karussell fahren.“ Wie auf dem Fahrgeschäft entsteht also eine besondere Stimmung; irgendwo zwischen Aufregung und Freiheit.

Es ist eben dieser Widerspruch, der die LuWu so faszinierend macht. Der Wechsel zwischen Gemütlichkeit in den Cafés und Geschäften der Straße und der Schnelllebigkeit direkt vor den Türen erschafft eine lebendige Atmosphäre. Ein bisschen mehr Ruhe, um dieses Gefühl auch fassen und verstehen zu können, täte der Allee aber dennoch gut. „Es wäre förderlich, wenn es noch mehr Eckchen gäbe, die zum Verweilen einladen. Also zum Beispiel Lokale mit Tischen auf dem Bürgersteig oder ähnliches. Dass ein Gegengewicht zum Durchfahrtsverkehr geschaffen wird“, wünscht sich Brück für die Straße.

Selbst wenn Ingrid Brück nicht in der Straße wohnt, sieht sie dennoch das Außergewöhnliche, das die LuWu mitbringt. Auch auf den schnellen Blick erkennt man die Schönheit der Häuser und die gelebte Individualität, die einen Halle aus einem anderen Blickwinkel betrachten lässt. „Wenn ich in die Ludwig-Wucherer-Straße einbiege, habe ich für einen Moment das Gefühl, ich wäre in Budapest.“